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Kritik fabulí fabulà 20.11.2009

Sindelfinger Zeitung

Totales Theater im Gasthof Sonne

Das „Duo Mirabelle“ tritt am Samstag nochmals in Altdorf auf

Das „Duo Mirabelle“ braucht keine Hollywood-Effekte. Den beiden Frauen genügen einige Requisiten und ein Akkordeon. Mit märchenhaften Fabeln und Wandlungsfähigkeit verzauberten sie unlängst das Publikum in der Altdorfer Sonne – am Sonntag kommen sie zurück.

Von Anne Abelein

ALTDORF. Die zwei Damen des 2006 gegründeten Duos Mirabelle machen alles selbst: Musik, Requisite, Kostüme und natürlich das Schauspiel. Dabei ist es alles andere als einfach, plausibel einen Regenwurm oder sogar eine Armbanduhr zu mimen, wie es die beiden in ihrem Programm „fabul´ı fabula“ taten.

Doch die zwei sind für solche extremen Verwandlungen gut gewappnet. Ausgebildet wurden sie nämlich auf der renommierten Schweizer Scuola Teatro Dimitri. Die Hochschule für Bewegungstheater liegt in Verscio im Tessin. Der berühmte Clown Dimitri hat sie 1975 gegründet. Auf dem Lehrplan stehen neben Schauspiel Pantomime, Tanz, Improvisation, Akrobatik und Maskenbau. „Ich habe immer von einem „totalen“ Theater geträumt: von einer einfachen, ursprünglichen Theaterform, die ohne technische

Hilfsmittel auskommt. Die dafür getragen wird von einem vielseitigen Komödianten, der seinen Körper beherrscht und wie ein Instrument einsetzen kann“, schreibt Dimitri auf der Homepage der Schule. Er versteht sie als eine Alternative zum Sprechtheater.

Die beiden Absolventinnen Isabelle Guidi und Mirjam Orlowsky setzten Dimitris Vorstellungen in ihren poetisch-komödiantischen Szenen im Gasthof Sonne in idealer Weise um.

Zu Beginn des Abends erschienen die beiden in den Rollen des treudoofen „kleinen Königs“ und der resoluten „Königin Adelheid“, die ihren Mann in der Gegend herum- kommandiert – und das schon am frühen Morgen: Friedlich schlürfte der kleine König seinen Kaffee und schmiedete allerlei Pläne, um seinen Tag zu gestalten. Doch Frau Adelheid befahl ihm, im Namen der Emanzipation neue Gesetze zu erlassen. Von nun an sollten Männer die Hausarbeit verrichten, und der kleine König sollte mit gutem Beispiel vorangehen. Mirjam Orlowsky spielte den kleinen König mit hängenden Schultern, gekrümmtem Rücken und herrlich einfältigem Blick. Isabelle Guidi wuchs in der Rolle der Adelheid auf geheimnisvolle Weise in die Höhe. Mit ihren Forderungen jagte sie den König außer Landes, doch der kehrte nach einigen Abenteuern gestärkt und mit Nachwuchs zurück.

Die nächsten Rollen, in die die beiden schlüpften, waren die schlaue Mieze und der

Hund Molly – Hauptpersonen in einer Fabel über das heikle Verhältnis von Hund und Katz. Während Hunde und Katzen recht einfach darzustellen sind, waren die folgenden Rollen eine echte Herausforderung: Wie stellt man eine Armband- oder eine Standuhr dar? – Am besten, indem man das Ticken der Uhren imitiert, zeigten die beiden Schauspielerinnen und begannen, wendig über die Bühne zu steppen.

Mittels zweier aufgespannter Schirme in einen Baum verwandelt

In den Rollen des Herrn und der Frau Regenwurm liefen sie zur Höchstform auf: Das Publikum bog sich vor Lachen, als sie sich schmatzend und mit vollen Backen kauend auf ihren Stühlen wanden, akrobatisch die Zungen verrenkten und schamlos laut ihren Kaffee schlürften. Wenig später sah sich Herr Regenwurm mit einem ausgehungerten Gockel konfrontiert. Doch der glitschige Sympathieträger kam noch einmal davon.

Burschikos und großmäulig erschienen Orlowsky und Guidi in ihren nächsten Rollen: Sie stellten nämlich einen Bären und einen Wolf dar. Die beiden Raubtiere sind die besten Freunde, zerstreiten sich aber auch schnell. Nach und nach lernen sie, dass sie aufeinander angewiesen sind, wenn sie den Gefahren der Natur trotzen wollen.

Die Requisiten stationierten die Schauspielerinnen stets direkt auf der Bühne auf einem Kleiderständer, den sie auch selbst ins Spiel miteinbezogen. So verwandelten sie ihn mittels zweier aufgespannter Schirme in einenBaum, der Schatten spendet.

Schade nur, dass sich zur Altdorfer Aufführung nur ein kleines Publikum zusammengefunden hatte. Das könnte sich aber im Verlauf des Herbsts und Winters ändern, denn die Veranstaltungen im Gasthof Sonne haben gerade erst begonnen.

Am Sonntag, 22. und Freitag, 27. November sowie am Freitag, 11. und am Sonntag, 13. Dezember ist das „Duo Mirabelle“ dort noch einmal zu sehen. Sie haben sich nämlich vor kurzem in Tübingen niedergelassen und treten nun dort und in der Region auf.